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In Deutschland haben der sozioökonomische Status sowie der Bildungsgrad der Eltern einen hohen Einfluss auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Armut und mangelnde Bildung der Eltern führen dazu, dass sich Kinder und Jugendliche ungesünder ernähren, weniger bewegen, seltener in Sportvereinen aktiv und damit häufiger übergewichtig oder adipös sind als Gleichaltrige aus sozial bessergestellten Familien. Dazu tragen maßgeblich zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke bei, die von Kindern und Jugendlichen sozioökonomisch schlechtergestellten Familien besonders stark konsumiert werden. Neben zahlreichen körperlichen Beschwerden leiden durch Fettleibigkeit auch das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen.

Bei rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland lassen sich Anhaltspunkte für psychische Auffälligkeiten finden. Bei Verhaltensstörungen wie ADHS sind Kinder von Eltern ohne Ausbildungsabschluss 44 Prozent häufiger betroffen als Akademikerkinder. Dabei wird vor allem bei Jungen im Alter zwischen 7 und 13 Jahren ADHS beziehungsweise Hyperkinetisches Syndrom (HKS) diagnostiziert und mit Psychopharmaka behandelt. Vieles deutet darauf hin, dass Verhaltensprobleme von Kindern häufig keine innerlichen Ursachen haben, sondern auf ungünstigen Entwicklungsbedingungen beruhen und es so zu vielen Fehldiagnosen kommt.

Für 26 Prozent aller Kinder wurde 2016 eine Behandlungsdiagnose gestellt, welche auf eine potenziell chronisch-somatische Erkrankung hindeuten kann, 9 Prozent aller Kinder haben darüber hinaus eine potenziell chronisch-psychische Erkrankung. Diese chronischen Erkrankungen können die Entwicklung nachhaltig beeinträchtigen oder sogar weitere sekundäre Störungen nach sich ziehen. Daher brauchen Kinder und Jugendliche komplexe Leistungen aus dem medizinischen und pädagogischen Bereich.

Das Risiko, dass chronische Erkrankungen von Eltern nicht als solche wahrgenommen werden, ist in Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status dreimal so hoch wie in Familien mit hohem sozioökonomischen Status. Das ist besonders problematisch, da chronische Einschränkungen bei Kindern aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status häufiger vorkommen. Viele Bundesinitiativen wie zum Beispiel „IN FORM“ oder das nationale Gesundheitsziel „Gesund aufwachsen“ wollen die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen fördern und soziale Unterschiede und Benachteiligungen abbauen. Einzelmaßnahmen wie Trainings- oder Kursangebote, die zu einer Verhaltensänderung – hin zu einem gesunden Lebensstil – führen sollen, sind kaum effektiv und kommen bei sozial benachteiligten Gruppen häufig nicht an. Wichtig ist es, die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen so zu verändern, dass es ihnen leichter fällt, eigeninitiativ gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen.

Auch Schule als Lebenswelt bereitet weiterhin Sorge: 43 Prozent der Schülerinnen und Schüler leiden unter Stress durch zu hohen Leistungsdruck, schlechte Noten, ein gestörtes Schüler-Lehrer-Verhältnis oder Mobbing in der Schule und in den sozialen Medien. So klagt ein Drittel der Schülerinnen und Schüler über Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schlafprobleme und Panikattacken. Der Stress nimmt mit den Schuljahren zu, viele Kinder und Jugendliche erleben Schule als Belastung.

  • Die National Coalition Deutschland empfiehlt dem UN-Ausschuss, die Bundesregierung aufzufordern,
  • 92. in Kooperation mit Ländern, Kommunen und Zivilgesellschaft ganzheitlich gesundheitsfördernde Initiativen zu entwickeln, die die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status stärken;
  • 93. für chronisch und psychisch erkrankte Kinder Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Organisation eines komplexen individuellen Behandlungs- und Fördermanagements in Abhängigkeit von der Diagnose, dem Schweregrad des Krankheitsbildes und der Lebenssituation der jungen Patientinnen und Patienten ermöglichen;
  • 94. gemeinsam mit Ländern und Kommunen die Lebensorte von Kindern, wie Kita, Schule oder offene Jugendclubs, als gesundheits- und resilienzfördernde Lern- und Lebensorte auszugestalten und Gesundheitsbildung in den Lehrplänen zu verankern.
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